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12.08.2019

(Mentruations-) Tasse statt Tampon

 

Wiederverwendbare Silikontassen, die das Regelblut auffangen, werden immer beliebter und mittlerweile gibt es bei uns über 50 verschiedene Hersteller.

Erstaunlicherweise wurde das Patent zur Menstruationstasse bereits vor über 80 Jahren angemeldet – zusammen mit der Anweisung, wie man sie benutzen soll : schmal zusammenfalten und dann wie einen Tampon in die Scheide einführen. Dort entfaltet sich die Tasse wieder, saugt sich mit leichtem Unterdruck fest und fängt das Menstruationsblut auf.
Wegen des etwa zeitgleich erfundenen Tampons gelang dieser eigentlich genialen Idee aber nicht der Durchbruch. Doch seit ein paar Jahren erlebt die Idee von damals eine Renaissance. Mittlerweile haben sie alle großen Drogerieketten im Sortiment, es gibt sie heute in Dutzenden von Modellen, Größen und Farben.

Vielleicht hängt dies auch mit unserem gestiegenen ökologischen Bewusstsein zusammen, denn Menstruationstassen haben eine unschlagbare Ökobilanz. Da sie – richtig gepflegt – mehrere Jahre wiederverwendet werden können, schonen sie die Umwelt. Im Durchschnitt verbraucht eine Frau in ihrem Leben schätzungsweise 3000 Tampons, inklusive Plastikverpackung. So kommen allein in Nordamerika jedes Jahr geschätzte 20 Milliarden Binden, Tampons und Applikatoren zusammen.

Aber wenn es nur nach diesem Gesichtspunkt ginge, wären auch andere Tamponalternativen interessant : Menstruationsschwämmchen, auswaschbare Baumwollbinden und saugfähige Menstruationsunterwäsche.

Es ist also noch ein weiterer Gesichtpunkt von Bedeutung: Wer die Silikonbecher benutzt, setzt sich zwangsläufig stärker mit seinem Körper auseinander, denn das Einführen der Menstruationstasse muss man erst einmal üben.

Und so, wie Frauen die Pille nicht mehr ohne Diskussion akzeptieren, wollen sie sich auch beim Thema Menstruationshygiene selbst entscheiden können, wollen zB genau wissen, was ein Tampon an Inhaltsstoffen enthält, handelt es sich doch um ein Produkt, das Frauen über Jahre direkt im Körper tragen, im Kontakt mit der extrem sehr aufnahmefähigen Schleimhaut.

Das hat zu erfreulichen Veränderungen geführt : Während im Öko-Test 2007 kein einziges Produkt die Note "gut“ oder "sehr gut“ erhielt, wurden 2017 14 von 15 Produkten mit der Note „sehr gut“ bewertet, umstrittene Inhaltsstoffe wie optische Aufheller, Pestizide oder Formaldehyd waren nicht mehr nachweisbar. Da auch die Menstruationstassen gut bewertet wurden, muss man sich um die Verträglichkeit keine große Sorgen mehr machen.

Die größte Sorge gilt den Beschwerden, die durch das Abfangen des Menstruationsbluts verursacht werden. Tampons können, wenn sie zu oft gewechselt werden oder zu saugstark sind, die Scheide austrocknen, denn sie saugen nicht nur Blut auf, sondern auch Scheidenflüssigkeit.
Vollgesogene Tampons entwickeln sich – wenn sie umgekehrt zu lange belassen werden - zu einem Nährboden für bestimmte Bakterien, die im Extremfall das Toxische Schocksyndrom verursachen können. Bei der Menstruationstasse hingegen sammelt sich das Blut im Silikonhütchen und steht damit nicht mehr in direktem Kontakt zur Scheidenschleimhaut.
Entscheidend ist die Tragedauer, denn je länger sich das Blut in der Vagina sammelt, desto leichter können sich die Keime vermehren, weshalb beides nicht länger als 8 Stunden belassen werden sollte. Ausserdem ist es wichtig, vor dem Einsetzen oder Wechseln gründlich die Hände zu waschen, damit keine Krankheitskeime in die Scheide kommen.

Wer eine Menstruationstasse verwendet, braucht ein Waschbecken oder spezielle Desinfektionstücher – wenn man zB unterwegs ist. Insofern sind die Menstruationscups, was die Hygiene anbetrifft, aufwändiger.

Beim Wechseln der Menstruationstassen ist zu beachten, dass sie nicht einfach wie ein Tampon herausgezogen werden dürfen. Wichtig ist, dass man zuerst den Unterdruck löst, indem man einen Finger einführt und den Cup nach innen gegen die Scheidenwand drückt. Wenn man das nicht macht, bleibt der Unterdruck bestehen und zieht am Gebärmutterhals.

Ein anderes Problem, mit dem der Cup gelegentlich in Verbindung gebracht wird , ist die Sorge, dass durch den Unterdruck Verhütungsspiralen verrutschen oder gar herausfallen könnten. Das klingt logisch, aber in einer grossen Studie konnte gezeigt werden, dass die Anwendung der Menstruationstasse nicht häufiger zu einem Verrutschen der Spirale führt.

Ob nun Menstruationstassen oder Tampons besser sind, lässt sich aus frauenärztlicher Sicht nicht entscheiden. Letztendlich ist es eine Frage des Geschmacks und bleibt eine persönliche Entscheidung jeder einzelnen Frau. Im Großen und Ganzen gibt es keine großen Unterschiede : beides sind sichere Optionen. Da aber jährlich Milliarden von Hygieneprodukten weggeschmissen werden und unsere Umwelt belasten, ist es letztlich auch eine ökologische und finanzielle Frage auf die Menstruationstasse umzustellen.

utopia.de/ratgeber/menstruationstasse/
www.menstruationstasse.com/
de.wikipedia.org/wiki/Menstruationstasse
www.menstruationstasse-maedels.de/menstruationstasse-erfahrung/